Nepal vor dem Erdbeben

Kaum zu glauben, dass unsere Reise nach Nepal schon über 7 Jahre her ist. Und kaum zu glauben, dass manche der Tempel und Gebäude, die wir damals gesehen und fotografiert haben, leider nicht mehr stehen seit Ende April diesen Jahres. Eines der schlimmsten Erdbeben traf Nepal und die umliegenden Länder mit so einer Wucht, dass sich sogar der Mount Everest verschoben hat. Wir denken hin und wieder an die Menschen und besonderen Orte in Nepal zurück und widmen ihnen diesen Beitrag.

Nach kurzem Zwischenstopp in Kathmandu haben wir zu Beginn unserer Reise die rote Stadt Bhaktapur erkundet, in dessen Zentrum der Hauptplatz liegt. Gerahmt von verschiedenen Tempeln spielt sich dort das Leben ab: Verkäufer, Touristen und Schulmädchen. Faszinierend in diesem Land ist das Farbenspiel: obgleich das Land bitterarm ist, tragen viele der Einwohner stolz ihre bunte Kleidung, prächtiges Rot und Rosa. 

Auf dem Land müssen sich die Mädels jedoch an die Schuluniform halten, wahrscheinlich ein Überbleibsel der englischen Kolonialzeit. Das Leben scheint hier außerhalb der Stadt ruhig, heiter und ohne Stress, und die Leute wirken fröhlich. Was hier draußen auch auffällt ist die Sauberkeit - wie in vielen Großstädten ist in Kathmandu eher das Gegenteil der Fall. Im Hintergrund sieht man die ersten Hügel des Himalaya, wir sind jedoch auf mehr aus!

 

Nach ein paar Tagen Trekking im Gebiet der Annapurna-Kette sehen wir endlich die ersten Achttausender. Hier oben ist die Luft viel klarer als unten im Kathmandu-Tal, und so haben wir einen fantastischen Blick. Die Zeit scheint stillzustehen: wir sind die einzigen Langnasen hier oben, die Dörfer sind noch ganz ursprünglich, Menschen ziehen mit ihren Eselkarawanen an uns vorbei. Wir nächtigen in den rustikalen aber doch luxuriösen Lodges der Ker & Downey-Gruppe, eine Art Himalaya-Glamping, und fühlen uns dabei wir James Hilton in seinem Roman The Lost Horizon.

 

Szenenwechsel: nach einer sehr schönen und anstrengenden Trekkingtour in den Bergen fahren wir per Jeep in die Tiefebene des Terai in den Chitwan-Nationalpark. Unsere Lodge ist eine der wenigen, die sich direkt im Park befindet und eine "Nashorngarantie" hat - diese Karte spielen wir aus! Schon am ersten Morgen begeben wir uns auf dem Rücken eines Elefanten auf Pirsch. Da Nashörner nicht gut sehen, nehmen sie die Menschen auf den anderen Dickhäutern nicht war und so können wir ziemlich nah heran - und trotzdem haben wir noch genügend Abstand, denn Panzernashörner wiegen bis zu 2,2 Tonnen und werden bis zu 60 km/h schnell.

 

Zurück in Kathmandu stürzen wir uns nach der Ruhe der Berge und der Natur des Chitwan wieder in das Strassengewimmel. Hier in Pashupatinath ist der Ort, wo die Feuerbestattungen nach hinduistischer Tradition vorgenommen werden. Die Angehörigen kaufen Opfergaben für die Toten, aber auch für den Pashupatinath-Tempel, einem der wichtigsten Hindu-Tempel des Landes. Fasziniert verfolgen wir, was am heiligen Fluss Bagmati alles gleichzeitig passiert: an den Ghats, den Verbrennungsstätten, werden Menschen von Familie und Freunden bestattet, andere Gläubige bringen am Fluss Ihre Opfergaben dar, und wieder andere nehmen weiter unten am Fluss, wo die Asche im Wasser vorbeizieht, ihre rituellen Waschungen vor (und verbrennen Plastikmüll).

 

Nepal ist ein Land voller Gegensätze: Armut und Reichtum, Großstadt und Landleben, Schönheit und Shiva, der Gott der Zerstörung, der immer wieder seine Macht zeigt! Letztendlich wissen die Nepalesen schon, dass sie im Himalaya auf einer tickenden Zeitbombe sitzen und Shiva durch Opfergaben, Symbole und Glücksbringer besänftigen müssen. Auch wenn er dieses Jahr wütend geworden ist, können Besucher dem Land helfen, wieder auf die Beine zu kommen. Visit Nepal!