Würzburg - Ein Tagesausflug bei 40° C

Klimawandel hin oder her: es ist einfach genial, dass wir hier in Bayern im August endlich so ein Wetter wie in Madrid haben. Und in jedem Fall besser als -10°C in Samarkand.

 Früher war dieser Monat oft nass und kalt, sodass wir die Heizung anmachen und eine Flasche schweren Rotweins öffnen mussten. Dieses Jahr ist es aber anders und von Monat zu Monat werden Temperaturrekorde gebrochen. Das scheint auch für alle ziemlich in Ordnung zu sein: München und Umgebung werden von einer Menschenwelle erfasst. Isar ist voll, Seen und Berge sind voll, und in der Stadt ist gefühlt kein Fleckchen mehr frei. Während sich hier die Massen austoben und die Sonne in vollen Zügen genießen, entscheiden wir uns ziemlich spontan für einen Tag im Zug (leider verspätet) gen Würzburg zu fahren.

Diese historische Stadt und ehemaliger Fürstensitz liegt nur 2,5 Stunden entfernt von der bayerischen Landeshauptstadt im schönen Frankenland. Diese bei Studenten so beliebte Stadt - ca. 40.000 Studis - wirkt jetzt im Sommer recht ruhig, obwohl sie eine angesagte Destination für asiatische und amerikanische Touristen ist, die auf der Suche nach deutscher Geschichte, Bratwürstchen und einem leckeren Frankenwein sind. In der glühenden Sonne bei schon über 30 Grad um 11 Uhr morgens machen wir uns Richtung der prächtigen Würzburger Residenz auf. Der berühmte venezianische Maler Tiepolo hat dort ein fantastisches Deckenfresco und sich und seinen befreundeten Künstler der Epoche ein Denkmal geschaffen. Obwohl er, wie unser Guide erzählt, ursprünglich für diese Stadt und den Fürsten nicht arbeiten wollte - erst nach längeren Verhandlungen und einer Vertragsklausel, die ihm täglich 5 warme Mahlzeiten zusicherte - willigte er ein und stellte mit viel Vorstellungskraft die ganze Welt dar.

Gut fränkisch essen kann man in den vielen Restaurants der Altstadt - wir haben uns für die Alte Mainmühle direkt an der alten Mainbrücke mit Blick auf die Festung Marienberg entschieden. Das Lokal ist bei den Einheimischen für den "Brückenschoppen" beliebt - einem Gläschen Wein auf der Brücke.

Danach bummeln wir noch durch die Altstadt auf der Suche nach ein bisschen Schatten, denn das Thermometer zeigt mittlerweile fast 40 Grad an! Auf dem Würzburger Marienplatz liegen die Markstände neben der imposanten spätgotischen Marienkapelle mit ihren kleinen Kramläden.

Mit der Straba fahren wir zurück zum Bahnhof, vorbei am mittelalterlichen Rathaus mit seiner einzigartigen Fassade und dem Vierröhrenbrunnen, einem weiteren Treffpunkt der Würzburger. Noch leicht beschwippst vom leckeren Rotling und Bacchus passieren wir mit dem ICE zum Teil unbekannte Gegenden Bayerns...